Archiv für Dezember 2008

. urban-stammtisch

. xmas gaby, mittwochs in der similde gibts wieder einen
. graffiti stammtisch zum selber sitzen und bashen.
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. “ diesmal großer weihnachts-bastel bash,
. geschenke für alle – mitbring`party
. werkzeug und glühwein liegen bereit …
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. kopflast , just

. graffiti kontrovers

. ju-huh gaby , hier schiebe ich dir einen kommentar nach ,
. copy-paste von magazin dock31

Am 24. Oktober wurde in Halle die erste Mitteldeutsche Graffitistudie vorgestellt. Das Werk mit dem bezeichnenden Titel „Graffiti kontrovers“ untersucht die Verschandelung von Häusern durch Graffiti und Tags. Untersuchungsgegenstand bildeten dabei jeweils zehn Straßenzüge mit je 10 Häusern in Dresden, Leipzig, Merseburg und Halle also 100 Häuser pro Stadt. Erhebungszeiten der Studie waren Sommer 2005, Dezember 2006 und Juli 2007. Das Buch konstatiert in seiner Untersuchung nun Folgendes:

Halle weist insgesamt eine drastische Zunahme der „Schmierereien“ auf. Waren es 2005 zirka 30 Prozent der Häuser, kletterte diese Zahl im vergangenen Jahr auf über 50 Prozent. In Leipzig wurden an 30 Prozent aller Häuser, in Dresden bei 25 Prozent und in Merseburg bei 8 Prozent aller Häuser Graffitis festgestellt. Zumeist, in 80 Prozent aller Fälle, wurden jedoch keine Graffitis sondern Tags (Pseudonyme) auf die Wände gemalt oder gesprüht.

Bevorzugte Orte und Wände sind dabei in erster Linie Stadtviertel in denen viele Menschen unterwegs sind oder wohnen. Vor allem leerstehende Häuser dienen den Sprayern als Darstellungsfläche, 80 Prozent aller unbewohnten Häuser in der Saalestadt waren besprüht. Auswirkungen hat das auch auf benachbarte Häuser. Für Häuser in unmittelbarer Nähe zu verwahrlosten Häusern ist das Risiko, dass Wände besprüht werden, doppelt so hoch wie in normalen Gegenden.

Des weiteren gibt es natürlich auch noch die Statistiken die Folgendes besagen:
2232 Anzeigen, 1.200 gefasste Verdächtige und zwei Verurteilte – das ist die Bilanz der illegalen Graffitischmierereien in Halle (Saale). (HalleForum.de) In der, auch durch die Studie, wieder Auftrieb verliehenen Diskussion um Graffiti gibt es in Halle die unterschiedlichsten Auffassungen und „Lösungsansätze“. Es wird dabei laut über verstärkte Videoüberwachung, ein Mitführverbot für Spraydosen, Schutzfolien für Häuser und natürlich über eine schnelle Verurteilung der Täter nachgedacht. Wobei auch ein Täter Opfer Ausgleich nach Münchener Vorbild eine Rolle in der Debatte spielt.

Auch die Junge Union hat sich da so ihre Gedanken gemacht und noch vor Erscheinen der Studie eine Pressemitteilung herausgegeben deren hauptsächlicher Inhalt zur allgemeinen Urteilsbildung hier zu lesen ist: „Die beste Prävention von illegalem Graffiti beginnt aber auch schon beim Einzelhandel. Deshalb ist es wichtig zu betonen, dass auch der Einzelhandel seiner Verantwortung bei diesem Problem gerecht wird und darauf achtet, wem er diese Produkte verkauft. Der Verkauf hochaggressiver Farben und Sprühlacke an (sehr) junge Käufer, welche darüber hinaus aufgrund Art und Menge der gekauften Sprühfarbe nicht den Anschein erwecken, diese zum Heimwerken, bzw. zum legalen Airbrushen zu verwenden, muss in Zukunft unterbleiben. Als Beispiel verweist die Junge Union Halle auch darauf, dass der Verkauf von Alkohol und Tabak altersabhängig ist, zu erst einst durch freiwillige Selbstbindung eingeführt und später durch gesetzliche Festschreibung verbindlich wurde.“ (Pressemitteilung der Jungen Union Halle (Saale), 12.09.2008)

Nach diesem zweifelhaften Vergleich von Äpfeln und Birnen, sprich Farben und Alkohol initiierten wir ein Treffen mit Stefan Schulz (Kreisvorsitzender der Jungen Union), um zu hören, was denn nun der generelle Standpunkt der Jungen Union zum Thema Graffiti ist.

Stefan Schulz sieht zuerst einmal die bis dato vorherrschende Stadtpolitik von Streetwork und Freigeben von legalen Sprühflächen als falsch an, wenn nicht sogar als maßgeblichen Auslöser für eine wachsende Sprayerkultur. Die Stadt habe die Sprayer verhätschelt und sogar angelockt. Auf gesetzlicher Seite bestünde nur ein geringes öffentliches Interesse, weswegen die Staatsanwaltschaft auch der erschreckenden Diskrepanz von Gefassten Verbrechern, denn das sind Sprayer in seinen Augen, und den letztendlichen Verurteilungen Schulter zuckend gegenübersteht.

Die Idee der Jungen Union nun auch die Händler ins Visier der Kriminalisierung zu nehmen entstand aus der schon oben zitierten Überlegung eine Art Dosenführer- schein ins Leben zu rufen, oder aber an Jugendliche mit entsprechenden Absichten die Dosen gar nicht erst zu verkaufen. Die Umsetzung und oder Ausarbeitung dieses Vorschlages ist noch in keiner Weise gediehen. Nur bestrafen so Stefan Schulz hilft eben auch nicht. Letztlich ist er aber ebenfalls der Meinung, dass man unterscheiden müsse zwischen Künstlern und Schmierern oder Tagschreibern.



Im nächsten Heft werden die Sprayer zu Wort kommen und für alle anderen die dazu etwas sagen möchten schreibt uns unter redaktion@dock31.de , dock 31

[cs, n]