Archiv für November 2008

. urban script similde

. mittwochsgruppe in der similde gaby, ich und du in der kleinen
. simildenstrasse, können am 26. nov einen streetart abend haben.
. jens und martin entpacken und erzählen geschichten über graffiti
. und kunst. das urban scipt in der writers corner connewitz für
. continous. 20:00 uhr , vekü, similde

„streetart in sachsen“

eine rundreise mit und von jens besser

„gegen die wand „

objekte in der streetart von martin haufe
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. im sommer 2008 fand im rahmen des zwischengrün festivals
. eine rundfahrt zu leipziger streetart statt. jens besser, organisator
. von urban script und selber aktiver street artist, führte interessierte
. leipziger zu bekannten und unbekannter street art.
. da die teilnahme am rundgang beschränkt war, erschien im kunstmagazin
. des kunstverein leipzig, besser bekannt als „hub“ ein umfangreicher artikel
. zur leipziger street art. der artikel ermöglicht es den lesern des magazins
. die rundfahrt nachzufahren.
. jens wird den artikel im rahmen von urban script vorstellen.
.“streetart in sachsen“ von jens besser
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. die zeit in der sich streetart nur auf poster, aufkleber und stencils
. reduzieren lies, ist längst vorbei. mittlerweile gibte es eine vielzahl
. von künstlern die sich von der wand als projektionsfläche verabschiedet
. hat und direkt im raum arbeitet. dabei kommen auch völlig neure medien,
. wie soundcollagen und etwa gestrikte objekte, zum einsatz.
. der vortrag liefert einen überblick und zeigt tendenzen in diesem bereich
. der streetart.
.“gegen die wand “ von martin haufe
.
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. http://www.anartchy.com/urbanscript/

. writer-benefit

. morgen gaby, in der gieszer 16 gibts nen benefit für meine
. absoluten zwei lieblings-graffiti sprüher. dank, ihrer freunde
. bleiben sie nicht allein mit hor-ende anfallenden anwaltskosten.
. alle sind dabei. ausgiebig zechen wir bei gesang und kunst
. in die spar-kasse des verfahrens.
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. nebebei eröffnet die siebdruckwerkstatt ihre pforten im atelier
. der gieszer16. mit einem themen-workshop am nachmittag.
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. gieszer 16 blog , ladenschluss , beatwars.de

. freigeist versus freistaat

. „Street Art in Sachsen“

oder „Freigeist versus Freistaat“

Was ist Street Art? Die Antwort lautet kurz und knapp:
Ungenehmigte künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum.

Der Begriff der Street Art wurde schon Anfang der 1980er Jahre geprägt. Man verband damit Kreidezeichnungen von Keith Haring oder Jean-Michel Basquiat. Richard Hambletons „Shadowman“ und Writing wurden ebenso dazu gezählt. Seit etwa 2000 ist ein besonderer Fokus auf Plakate, Schablonensprüharbeiten, Wandmalereien und Sticker gerichtet. Doch das Feld der Street Art ist weit größer – Interventionen auf Zugwaggons, 3D-Installationen oder Performances können dazugezählt werden.

Besonders in Großstädten findet man solche ungenehmigten Eingriffe; in Sachsen also in Chemnitz, Dresden und Leipzig. In Leipzig fanden erste Interventionen kurz nach der Wende statt. Jedoch waren es nicht Leipziger, die erste umfangreiche Akzente setzten. 1991 wurde eine Gruppe von Pochoiristen auf das Leipziger Universitätsgelände eingeladen. Unter ihnen waren Blek le Rat, Misstic, Jef Aerosol und Gerard Zlotykamien. Zlotykamiens „Ephemeres“ findet man heute noch in der Nähe des Hauptbahnhofs an zugemauerten Kellerfenstern
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In der Landeshauptstadt begann die ostdeutsche Geschichte der Street Art: Erste Wandmalereien gab es in Dresden schon zu Vorwendezeiten. Inspiriert von dem amerikanischen Film „Beatstreet“ zogen einige Jugendliche los und versuchten sich im Writing. Da es keine entsprechenden Sprühutensilien gab, nahm man kurzerhand Pinsel und Farbe. Doch schon die Stasi sah in dem Buchstabensalat eine Bedrohung und stoppte die erste Welle. Nach der Wiedervereinigung war es dann der Künstler Alekos Hoftstetter, der umfangreiche Zeichnungen im Neustädter Areal hinterließ. Sichtbar inspiriert vom Züricher Sprüher Harald Naegeli, bevölkerte er Fassaden im heutigen Kneipenviertel der Elbestadt mit Strichmännchen. Einige wenige seiner Arbeiten sind heute noch erhalten.
In den 1990er Jahren hält des Writing dann großflächig Einzug; in Groß- und Kleinstädten entwickeln sich schnell Sprüherszenen. Die Erreichbarkeit von Sprühdosen und die vermeintliche Meinungsfreiheit im neuen Staat ermuntert gerade junge Menschen, sich im öffentlichen Raum zu verewigen. Unterstützend kommt hinzu, dass nach der Wende Rückgabeansprüche von Grundstücken dazu führen, dass Gebäude über Jahre leer stehen und keiner Verwaltung unterliegen. Auf genau diesen Gebäuden findet man die ersten Pieces von Sprühergruppen wie SOC, ADA, BIA in Leipzig, MOB, CAS, SCB in Dresden oder CSF und NSK aus Chemnitz.
Während man sich bis Mitte der 1990er Jahre im Writing an klassischen New Yorker Vorbildern orientiert, sind es Ende der Dekade Hor in Leipzig, Shlomo Faber in Dresden oder Loki in Chemnitz, die die festgefahrenen Styles der Graffitiszene in neue Bildwelten bringen.

Hors abstrahierte Buchstaben erinnern manchmal an mikroskopisch vergrößerte Mehrzeller oder Flächenkonzepte. Shlomo löst sich gar ganz vom Style. Er „bestickt“ Züge mit Flicken oder schabloniert „RIP“-Bilder zu Ehren politscher Promis.
Während Hors Arbeiten noch heute im Großraum Leipzig zu finden sind, wurden Shlomos Arbeiten nahezu hunderprozentig zerstört – die Nulltoleranzschiene der Deutschen Bahn führte schon zeitig dazu, dass Shlomo Fabers Werke von Regional- und S-Bahnzügen entfernt wurden.
Als um 2003 der europaweite Street Art-Hype endlich Leipzig erreichte, fanden besonders Cutouts, Einzug auf den Straßen der Südvorstadt. Die Gruppe NOLOGO, bestehend aus bbstepho (Dresden), Kain Logos (Dresden) und Möe (Leipzig) betätigte sich vorrangig mit seriellen Arbeiten. Unter anderem verband man Typografievariationen mit Illustrationen aus dem digitalen Bereich .
Die Blues Brothers nutzten historisch bekannte Motive wie Porträts von Franz Kafka oder Bertolt Brecht (4_nologo_typo_brecht_by_bb.jpg) ebenso wie Eigenkreationen von Menschenfiguren bis hin zu Fabelwesen (5_Blues_b.jpg).

Mit besonderer Liebe zum Detail ging das MOMO-collective vor.
Um ihre aufwändigen Schablonenarbeiten aufzubringen, nahmen sie vorher Maß an den zu verschönernden Objekten. Doch mit der Vorliebe für Elektrokästen bescherten sie ihren Werken oft ein vorzeitiges Ende, denn die Leipziger Stadtwerke legten schon 2003 großen Wert auf ein Einheitsbild ihrer Objekte.
Adhesive Eingriffe in Form von Stickern nahmen Syru, die Gruppen BlackRed oder Ideal vor. Nach und nach trafen sich viele Aktive, zufällig bei abend-
lichen Klebeaktionen oder beim stickern und sketchen im Club des Vertrauens. So entstand schnell eine kleine Szene, die Erfahrungen austauschte und gemeinsame Aktionen plante. Beispiel einer solchen Kooperation war eine Serie unter dem Slogan „Antilove“ von Taboo /Blues Brothers und Syru (8_Antilove_syru.jpg).

2004 wuchs das Interesse daran, sich der Öffentlichkeit in Person zu präsentieren. Da das Plakatieren noch in einer rechtlichen Grauzone angesiedelt war, konnte man sich einer Toleranz vonseiten der Autoritäten sicher sein. Es wurden Ausstellungspläne geschmiedet. Die Winterzeit schien bestens dafür geeignet, denn frierender Kleister und überschäumende Sprühdosen führen zur ungewollten Zwangspause für Street Artists. Die „Spurensuche“-Ausstellung war geboren. Ein Club bot den Leipziger Straßenkünstlern die Möglichkeit, sich für zwei Wochen zu präsentieren. Der unerwartete Besucheransturm führte gleichsam zu einem Delirium der Street Artists, und 2005 startete vielversprechend. Besonders Syru war hochmotiviert. Waren seine Arbeiten noch um 2003 in A5-Format, wagte er sich nun an immer größere Plakate. Nicht selten arbeitete er an Plakaten, die er den Gegebenheiten der Gebäude anpasste .
Die neuen Arbeiten wurden immer häufiger in Plagwitz platziert, denn dieser Stadtteil schien bislang nur von wenigen beachtet worden zu sein. Dort gab es mehr Leerstand und Brachflächen, um Arbeiten nachhaltig zu platzieren.
Mitte 2006 wurde eine Ausstellung mit internationalen Teilnehmern im Leipziger Zentrum organisiert. Zwar brachte diese wenig Überraschungen, transportierte aber internationale Einflüsse auch in den Aussenraum. ­

G, ein Pariser Plakatkünstler, nutzte dazu die Glasfassade des Ausstellungsgebäudes , indem er großformatige Fotos der Ausschreitungen während des G8-Gipfels in Genua anbrachte. M. de Feo kam durch lokale Street Artists nach Plagwitz, wo der New Yorker Kunsterziehungslehrer einige Plakate seiner Meeresmotiv-Serie hinterließ.
Noch heute bereichern einige dieser Werke den Stadtteil.
2006 schien den vorläufig letzten Höhepunkt der Leipziger Street Art zu bringen: Emil ,
2TS, Pixelpopulation

oder Karltoon

hinterließen klebrige Spuren.

Besonders die großformatigen Unikatwerke des Chemnitzers 2TS fielen zahlreichen Betrachtern auf. Gemeinsam mit Syru war über ein Jahr ein Dreamteam in Leipzigs Straßen unterwegs, dessen Werke noch immer bei Besuchern Eindruck hinterlassen.
Während sich der Großteil der Leipziger Street Artists auf Plakateneingriffe spezialisierte, zeichnete sich Kain Logos aus Dresden durch seine Vorliebe für Wandmalereien aus, von denen viele im Großraum Dresden zu finden sind. Nicht selten sind die an Brandwänden platzierten Murals über drei Meter hoch und sehr breit. Einige Abstecher Kain Logos nach Leipzig sind bis heute anhand von seiner Spuren in Plagwitz
und auf dem Feinkostareal nachzuvollziehen.

Scheinbar ohne Grund kam es 2007 zu einem abrupten Ende von Street Art-Aktivitäten auf Leipzigs Straßen. Neue Plakate wurden zu einer Rarität. Eine Ursache dafür ist sicherlich das Inkrafttreten des neuen Anti-Graffiti-Gesetzes, das nicht nur Writings stärker illegalisiert, sondern gleichzeitig das Plakatieren, bislang eine Ordnungswidrigkeit, eindeutig für illegal erklärt. Die dort formulierte „vorübergehende Veränderung der Oberfläche und des Erscheinungsbildes“ kann nun zu Gefängnisstrafen führen. Hintergrund für das neue Gesetz waren wiederholte Freisprüche für Sprüher. Nicht nur die Graffitisprüher verfeinerten ihre Methoden, sondern auch die Gebäudereinigung, womit es kaum mehr möglich war, nachzuweisen, dass Graffitis eine erheblich Substanzverletzung der besprühten Oberfläche darstellten. Die Folge waren Freisprüche und eine Zunahme von Sprühereien auf deutschen Fassaden und Zügen. Hier bestand offenbar politischer Zugzwang.
Dass die Neuregelung nicht die erhofften Ziele erreicht, ist an der aktuellen Zunahme von Writing- und Street Art-Aktivitäten zu erkennen. Einige Plakatierer sind nun zum direkten Malen auf Wände übergegangen, ob mit Schablone

oder mit freier Hand .
Außerdem kursieren Gerüchte, dass Leipzigs Stadtverwaltung eine Höchstsumme von 5 000 Euro für illegale Plakatierungen ausgesetzt hat – egal, ob auf schon beklebten Flächen oder auf neuem Putz. Ziel dieser Übertreibung ist es, ungenehmigte Werbung von alternativen Initiativen zurückzudrängen. Dass damit kultureller Kahlschlag betrieben wird, scheint den Stadtvätern egal zu sein.
In Dresden ist man damit glücklicherweise noch im Verzug. Die Stadt verlangt für illegales Stickern und Plakatieren knapp 100 Euro; ein Grund dafür, dass immer noch viele Cutouts in der Landeshauptstadt entstehen.
Trotz des Inkrafttretens dieser Beschlüsse sind Sachsens Street Art-Aktivitäten wieder im Kommen. Ob in der Dresdner Friedrichstadt oder im Westen Leipzigs, weiterhin bieten Brachen und leer stehende Wohnhäuser die besten Bedingungen für ungeneh-
migte Kunst.
Falls man also mal wieder auf dem Weg zur Leipziger Spinnerei ist, empfiehlt es sich, Plagwitz nicht auf den Hauptstraßen zu durchqueren, sondern bei Abstechern durch ruhigere Nebenstraßen die eine oder andere Entdeckung mitzunehmen.

Jens Besser

flickr streetart sachsen
urban script , hub-mag leipzig ,

. wir bleiben alle

. alle gabys bleiben, auch in erfurt. am 22. november
. gibts aktion dafür, und schweine fliegen.
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